Grüne: Paderborner Städtepartnerschaft mit Beylikdüzü stärkt reformorientierte Kräfte

Zahlreiche Gespräche über eine Partnerschaft zwischen Paderborn und dem Istanbuler Stadtteil Beylikdüzü sind geführt worden, viele Vorarbeiten sind erfolgt: Es gab Delegationsreisen von Paderborner Vertretern nach Beylikdüzü, an denen auch Politiker der CDU teilgenommen haben. Anfang des Jahres kam Bürgermeister Mehmet Murat Calik mit einer hochkarätigen Delegation aus Beylikdüzü (Foto) und bekräftigte die Bereitschaft auf türkischer Seite. Jetzt entscheiden die politischen Gremien in Paderborn die Frage einer deutsch-türkischen Stadtpartnerschaft. 

Die Paderborner Grünen sprechen sich für die Stadtpartnerschaft mit dem europäischen Stadtteil am Marmarameer aus.  „Das Signal aus Beylikdüzü steht auf Grün und es ist an der Zeit, auch in Paderborn diese Frage zu entscheiden. Wir stärken mit dieser Partnerschaft die demokratischen und reformorientierten Kräfte in Beylikdüzü und wir nehmen die Wurzeln der Menschen ernst, die längst Paderborner und Paderbornerinnen geworden sind , erklärt die grüne Stadtsprecherin Catharina Scherhans. “Diese Partnerschaft ist breit angelegt, dies sieht man beispielsweise anhand der bereits bestehenden Schulpartnerschaft zwischen dem Reismann-Gymnasium und dem TED-Kolleg, einer europäisch ausgerichteten Schule. Hier werden wichtige Begegnungsmöglichkeiten geschaffen. Darüber hinaus bieten sich interessante wirtschaftliche Perspektiven“, so Scherhans. 2.000 Unternehmen haben sich im Stadtteil angesiedelt, auch der größte Containerhafen der Türkei liegt in Beylikdüzü. 

„Als Grüne beurteilen wir die Lage der Menschenrechte in der Türkei durchaus kritisch, wenn wir die Verfolgung  von  Oppositionspolitikern , die Inhaftierung von Regimekritikern und Journalisten erleben oder wenn wir auf die Rechte und Rolle der Frauen in der Gesellschaft blicken. Doch gerade durch die Städtepartnerschaft stärken wir die fortschrittlichen und reformorientierten Kräfte in der Türkei. Ein Dialog über die Menschenrechte muss Bestandteil der Städtepartnerschaft sein“, fordert Güven Erkurt, Mitglied im Integrationsrat.

Er erinnert daran, dass in Beylikdüzü viele Projekte im Bereich Gleichstellung und Umweltschutz vorangebracht werden, so ist Beylikdüzü Unterzeichner des European Charter for Equality. Durch eine Städtepartnerschaft könnte diese Entwicklung sogar noch positiv verstärkt werden. Die türkische Nichtregierungsorganisation Yanindayiz, analysierte die Gleichstellung der Frauen in türkischen Kommunen. Nach ihrer Analyse steht Beylikdüzü auf Platz sechs der türkischen Kommunen. Unter anderem wurde die Vertretung der Frauen in kommunalen Räten, der Bildungsgrad der Frauen, das Wirtschaftsleben, Zugang zu Ressourcen von Frauen sowie die Teilhabe an Sport analysiert.

„Das Abschließen eines Vertrages baut für Mitbürger in Paderborn eine Brücke zwischen früherer und neuer Heimat und ist für die türkische Community ein Zeichen der Wertschätzung. Gleichzeitig trägt eine vielfältig gestaltete Städtepartnerschaft zum Abbau von Vorurteilen bei“, erklärt die grüne Ratsfrau Sabine Kramm. Diese Städtepartnerschaft ist für Paderborn bereichernd, eine Ablehnung wäre ein fatales Signal, das zudem zahlreichen Paderborner Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die unser Gemeinwesen längst mitgestalten, zeigen würde, wie skeptisch ihre Herkunft beurteilt wird. Die Städteverbindung werde auch von den Kurden und Alevitischen Kulturverein unterstützt, wissen die Grünen aus ihren Gesprächen. 

Aus grüner Sicht ist die Städtepartnerschaft von der Deutsch-türkischen Gesellschaft gut vorbereitet worden. „Ganz unterschiedliche Gesprächsebenen von der Flughafengesellschaft bis zu Paderborner Schulen zeigen Entwicklungspotentiale auf“, erklärt Johannes Menze, grünes Mitglied im Integrationsrat.