Auf den Vorschlag der CDU, das Fahrradparkhaus am Gleis 1 zugunsten eines Taxistandes zu streichen, reagiert die grüne Ratsfraktion wenig überrascht. Sie bewertet den Vorschlag als undurchdacht und rückwärtsgewandt. Eine finanzielle Verbesserung des Haushalts erwartet die Fraktion durch den vorgeblichen Sparvorschlag nicht.
„Außer einer gezielten Kampagne gegen das integrierte Mobilitätskonzept (IMOK) und die notwendige Verkehrswende, vermag ich in dem vermeintlichen ‚Sparvorschlag‘ der CDU nichts zu erkennen“, fasst Ratsherr Ulli Möhl zusammen. „Abgesehen davon, dass die örtlichen Gegebenheiten massive, kostentreibende Neuplanungen und Bauarbeiten erwarten lassen und somit jeden propagierten Sparwillen ad absurdum führen, ist auch die Erreichbarkeit des vorgeschlagenen Taxistandes nicht ohne massiven Eingriff in den Haltepunkt des Busverkehres möglich.“
Die Grünen verweisen dazu auch auf die Bunkeranlage an Gleis 1. Ihretwegen sollte das Fahrradparkhaus auf der Ebene des Bahnsteigs entstehen. Ob die Fläche überhaupt für einen größeren Taxistand abgesenkt werden könne, sei fraglich. Es stehe zu befürchten, dass die Fläche am Ende völlig ungenutzt bleibe.
Die grüne Ratsfraktion hegt den Verdacht, dass alle Mittel ergriffen werden, nach altbewährtem Muster einseitig den motorisierten Individualverkehr zu privilegieren. Egal, ob Bus, Fahrrad oder gar Zufußgehende, für alle Verkehrsteilnehmer sieht die CDU mit ihrer Idee Einbußen in der Qualität der genutzten Fläche vor – außer für das Auto versteht sich. Alle möglichen Ersparnisse für die Stadt dürften schon durch eine Überplanung aufgezehrt werden.
Zu den Aussagen der CDU, es brauche nicht derartig viele Fahrradstellplätze am Bahnhof, erinnern die Grünen daran, man habe schon mehrfach vorgeschlagen, in einer ersten Stufe nur einen Teil der Ständer im Mobihub auszubauen. Das Fahrradparkhaus an Gleis 1 sei wegen der Lage aber unverzichtbar. „Wir waren bereit, Kompromisse zu machen. Das aber immer auf der Grundlage, dass es die Abstellanlage an Gleis 1 gibt“, erinnert Fraktionssprecher Klaus Schröder. „Das jetzt willkürlich zu streichen, finde ich unredlich.“
Einen „Kiss and Ride“-Parkplatz können sich die Grünen auch gut im neuen Mobihub vorstellen. „Hier könnte einfach eine Brötchentaste eingeführt werden und das Problem wäre gelöst. Die Entfernung des Mobihub zum Bahnhof stellt selbst die CDU in der Presse, zumindest für Radfahrende, nicht als Problem dar“, erörtert Ratsfrau Sabine Kramm. „Wenn die Entfernung also zumutbar ist, dann gilt dies wohl unabhängig vom Verkehrsmittel mit dem man dort ankommt.“
Die CDU zeige zudem mit diesem Abweichen von im Rat breit vereinbarten Zielen erneut, dass sie an einem Konsens im Stadtrat nicht interessiert ist und lieber billigend in Kauf nimmt, mit der AfD zu stimmen, anstatt mit anderen demokratischen Fraktionen Mehrheiten zu suchen.
„Wir verstehen auch nicht, warum die CDU jetzt diesen Schnellschuss bringt, nachdem es im Rat noch hieß, die Verwaltung wolle einen neuen Vorschlag erarbeiten. Den hätte man doch abwarten sollen. Irgendwie scheint mir das ganze Thema in der CDU ziemlich vermurkst zu laufen. Schon seit Oktober weichen sie jeder inhaltlichen Diskussion zum Thema aus, verweisen auf ‚Beratungsbedarf‘, vertagen und drücken sich vor der Entscheidung“, beschreibt Klaus Schröder kopfschüttelnd. „Und jetzt dieser vermurkste Vorschlag.“